Flucht und Migration in Osteuropa 

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Foto Quelle: twitter.com

Das Thema Flucht und Migration hat Europa schon vor der Corona-Pandemie, lange Zeit beschäftigt, insbesondere manche osteuropäische Länder und natürlich Deutschland, Österreich und die skandinavischen Länder. Die letztgenannten Länder waren und sind immer noch Zielländer für viele der damals und  heute Geflüchteten, mit Deutschland auf dem ersten Platz ihrer Wahl.

In diesem Artikel werde ich dieses Thema aus einer anderen Perspektive darstellen, und zwar: wie werden die Geflüchteten aus dem Nahen Osten im Vergleich mit den Geflüchteten aus der Ukraine von manchen osteuropäischen Ländern (z.B. Rumänien, Polen, Ungarn) aufgenommen?

Flüchtlingskrise in der Geschichte Europas

Die Jahre 2015/2016 verbleiben in der Geschichte Europas und insbesondere Deutschlands, als die sogenannten Jahre der Flüchtlingskrise, weil in diesem Zeitraum über eine Million Geflüchtete, Migranten und anderen Schutzsuchenden nach Deutschland geflüchtet sind, um sich vor Kriegen zu schützen oder ein besseres Leben zu finden.

Für sehr viele Geflüchtete aus dem Nahen Osten führte der Weg nach Deutschland oder nach anderen westeuropäischen Ländern über Osteuropa. Man darf die Balkanroute nicht vergessen! Diese Route leitete die Menschen über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Kroatien und Slowenien nach Österreich und endlich nach Deutschland. Als die Balkanländer den Weg der Geflüchteten schwieriger bis unmöglich gemacht hatten, wurden die Menschen gezwungen, über anderen Länder (z.B. Rumänien) in den Westen zu reisen.

Obwohl es für viele von Anfang an klar war, dass die Geflüchteten eigentlich nach Westeuropa und insbesondere nach Deutschland flüchten wollten und nicht in diesen Ländern bleiben wollten, haben trotzdem viele Osteuropäer auf sie mit Skepsis, Angst oder sogar Hass reagiert. Wieso denn das?

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Ich bin ehrlich und gebe zu, dass ich auch im Jahre 2015 Angst vor diesen ,,Horden von Migranten“ hatte. Aber warum? Nur weil ich ein Osteuropäer bin? Nein! Das glaube ich nicht.

Man weiß ja schon, dass die Völker des Osteuropas sehr konservativ und religiös sind und sehr viele Osteuropäer vielleicht ihr Land, oder sogar ihren Landkreis nie in ihrem Leben verlassen haben, also nie Kontakt mit anderen Kulturen gehabt haben, nie einen Menschen mit dunkler Hautfarbe gesehen haben, der eine andere Religion haben kann. Hinzu kommen viele Falschinformationen, die Vorurteile bestärken, in den öffentlichen Medien sowie in Sozialen Netzwerken im Internet. Und genau aus diesen Quellen sammeln viele Menschen ihre Informationen und schenken diesen Glauben. Dies gilt nicht nur in den Heimatländern der Geflüchteten, sondern überall auf der Welt. Oftmals wurden diese Informationen der Situation der Geflüchteten nicht gerecht. Ja, es gab Krieg, irgendwo in Syrien oder Afghanistan, aber diese Länder sind doch sehr weit weg, und die Kultur von dort ist nicht mit der Kultur der Völkern des Balkans oder des Osteuropas oder Europas insgesamt vergleichbar. Also dann was wollten diese Flüchtlingen von uns? Wieso bleiben sie nicht in ihren Ländern und kämpfen, oder wieso flüchten sie nicht zu Ländern, die eine ähnliche Kultur mit ihrer haben? Es fehlt das Verständnis dafür, dass sie friedlich und in Sicherheit leben wollen, wie wir alle!, und es besteht die Angst, dass die Geflüchteten ihre Kultur und ihren Glauben in Europa verbreiten und uns zwingen sie zu akzeptieren. Aber ist das überhaupt passiert?

 Als die Corona-Pandemie unser Leben, unsere Gewohnheiten, geändert hat, ist plötzlich das Problem der Geflüchteten nach Europa nicht mehr als das größte Problem des Kontinents wahrgenommen worden. Und nun, nach zwei Jahren Pandemie, steht Europa vor einem anderen Problem, das auf einmal eine neue Welle Geflüchteter verursacht: dem Krieg in der Ukraine. Aber dieses Mal ist die Reaktion der Menschen in ganz Europa und besonders im Osten des Kontinents völlig anders. Rumänien, Polen, Ungarn nehmen jeden, der jetzt auf der Flucht vor dem Krieg ist. Wieso ist das jetzt anders?

Ukraine – Teil unserer Identität

Die Geschichte mit der Ukraine und alles, was dieses Problem beinhaltet, ist sehr kompliziert wie vielschichtig. Aber dieses Land liegt in Europa, ist Teil des Kontinents, der unser Zuhause ist. Die Ukrainer sind also ein Teil unserer Kultur, sie haben eine Religion, die die meisten Europäer verstehen und akzeptieren. Sie sind unsere Brüder! Sie sind Teil unserer Identität. Das ist, was im Moment viele Einwohnern der Nachbarländer der Ukraine denken und fühlen. Und das ist gut so. Aber wieso haben die gleichen Menschen, damals in den Jahren 2015/2016 und später, nicht das Gleiche über die Geflüchteten aus dem Nahen Osten gesagt? Nur weil sie aus weiteren, unbekannten Ländern kamen? Und waren sie nicht trotzdem unsere Schwestern und Brüder?

Und seien wir ehrlich: hat sich unsere Kultur oder Situation in Europa aufgrund der Zuwanderung durch Geflüchtete stark verändert? Ja, es gab zahlreiche Konflikte und es gibt sie noch. Aber die meisten Geflüchteten sind mittlerweile, nicht selten sehr gut, in die Gesellschaft des jeweiligen Landes integriert und bringen ihren Beitrag.

Statistiken

Ich habe einige Statistiken eingesehen und möchte einen kleinen Vergleich zeigen, und zwar darüber, wie viele Asylbewerbern im Laufe der Jahre in manchen Ländern Osteuropas akzeptiert worden sind und wie viele Geflüchteten aus der Ukraine in nur wenigen Tagen in den gleichen Ländern aufgenommen worden sind.

Laut UNHCR – Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, wurden in Rumänien im Jahre 2017, 4.820 Asylanträge registriert, im Jahre 2018 waren es 4.056 Anträge und im Jahre 2020  6.116 Anträge. Die meisten Menschen kamen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Die macrotends Webseite präsentiert die folgende Statistik für Polen: 2020, 2.811 Asylanten, 2019, 12.658 Asylanten, 2018, 12.495 Asylanten und 2017, 12.225 Asylanten.

Für Ungarn hat die gleiche Webseite macrotends folgende Statistik: 2020, 5.898 Asylanten, 2019, 5.750 Asylanten, 2018, 6.019 Asylanten, 2017, 5.671 Asylanten.

Im Januar 2022 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 13.726 Asylerstanträge entgegengenommen. Entschieden hat das Bundesamt im Januar über 15.418 Asylverfahren. Im Januar wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 16.029 Asylanträge gestellt, davon 13.726 Erstanträge und 2.303 Folgeanträge. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Anzahl der Asylerstanträge um 0,1 Prozent. 1.680 der Erstanträge im Januar 2022 betrafen in Deutschland geborene Kinder im Alter von unter einem Jahr.

Als letztes, laut der Website der tagesschau, mehr als eine halbe Million Menschen sind laut UN aus der Ukraine geflohen – die meisten nach Polen und laut einer früheren Zählung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flohen knapp 85.000 Menschen nach Ungarn, mehr als 36.000 nach Moldau, rund 32.500 nach Rumänien, 30.000 in die Slowakei

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll den Unterschied zwischen der Aufnahme von Geflüchteten aus ferneren Ländern und der Aufnahme von Geflüchteten aus dem Nachbarland Ukraine.

Lesen Sie mehr über den Krieg in der Ukraine hier.

Autor: Teodor Mihai Buzea

Korrektorin: Crisitina Perian

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