Das Michelangelo Phänomen – Wie zwischenmenschliche Beziehungen uns formen

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Nach dem Bildhauer und einem der bedeutesten Künstler der Hochrenaissance genannt, ist das Michelangelo Phänomen ein zwischenmenschlicher Prozess, der in Liebesbeziehungen – aber auch in engeren, vertrauensvollen Freundschaftsbeziehungen – von SozialpsychologInnen beobachtet werden konnte. Personen, die in diesen Beziehungen eintreten, beeinflussen einander auf positiver Weise, und formen einander so, dass sie im Laufe der zusammen verbrachten Zeit ihren jeweils selbstbestimmten Persönlichkeitsideal erreichen können. Das Phänomen beschreibt wie liebevolle, unterstützende Beziehungen zu anderen Menschen uns helfen, uns zu der Person entwickeln, die wir sein wollen.

Beziehungen – Ort der Begegnung, Ort der Entwicklung

Die Erkenntnis, dass unsere Beziehungen ein Ort der Persönlichkeitsentwicklung sind, mag für die meisten von uns keine Neuigkeit sein. Beziehungen sind der Ort, wo zwei individuelle Persönlichkeiten aufeinandertreffen – und manchmal aufeinanderprallen. Bekannterweise haben Beziehungen das Potenzial, nicht nur das Beste, sondern auch das Schlimmste aus jedem von uns herauszuholen.

Den meisten von uns sind zwischenmenschliche Konflikte nicht fremd: Diese treten zum Beispiel auf, wenn wir uns im Jugendalter von unseren Eltern differenzieren wollen und unsere eigene Identität aufbauen wollen. Oder wenn in einer Liebesbeziehung unsere Wünsche und Vorstellungen auf diese unserer Geliebten zusammenstoßen. Oder vielleicht sind wir etwa der Meinung, dass unser beste Freund in der letzten Zeit ziemlich abgelenkt war, und das weckt Gefühle von Trauer und Unwichtigkeit in uns, die schlussendlich zu einer gefühlsgeladenen Konfrontation führen.

Unabdingbar für ein glückliches Leben

Beziehungen sind keine leichte Sache – dem kann jeder von uns zustimmen. Jedoch konnten immer mehr Studien beweisen, wie wichtig diese für unser Wohlbefinden sind. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander, um zu überleben. Ein gesundes Netzwerk von innigen Beziehungen zu haben trägt zur Erhöhung der Lebensqualität bei, macht uns gesunder und glücklicher, und hilft uns länger zu leben. Doch vielleicht die wichtigste Errungenschaft einer gesunden zwischenmenschlichen Beziehung – die auf Respekt, wechselseitigem Geben und Nehmen und Empathie aufbaut – ist der größe Beitrag, der diese zu unser Bemühungen leistet, unser „ideales Ich“ zu erreichen.

Soeben ist die Anwesenheit des Michelangelo Phänomens das, was erfolgreiche, gesunde zwischenmenschliche Beziehungen gemein haben. Menschen, die lange, erfüllende Beziehungen zu einem anderen Menschen genießen unterstützen sich gegenseitig, sich der besten Version von sich selbst zu nähern. Therapeuten, die in der Familientherapie tätig sind, sprechen über den Michelangelo Effekt als einer der bestimmenden Faktoren, der die Dauerhaftigkeit und Zufriedenheit einer Ehe prognostizieren kann.

Werdegang zu zweit

In dem man mit einem Partner oder mit einem vertrauten Freund unsere Ziele bezüglich der Entwicklung unserer Person mitteilen und ihn ein Teil unser Werdegangs sein lassen, ist es eher wahrscheinlich, dass wir diese Ziele auch erreichen. Der Grund dafür ist, dass die Menschen, mit denen wir in einer innigen Beziehung sind, mit uns auf eine bestimmte Art und Weise umgehen, die dieses von uns festgestellten Ideal eben befördern. Dies führt dann dazu, dass wir auch so agieren werden, wie dieses „ideales Ich“ es tun würde und Lebensentscheidungen treffen, die die Erreichung dieses Ideals begünstigen.

Es stellt sich heraus, dass jeder von uns ein Michelangelo sein kann, und jedes Menschenleben, das wir „angreiffen“, zu etwas (noch) schöneres verwandeln können.

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