COVID19: Was Verschwörungstheorien uns lehren

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COVID19: Die Glaube an Verschwörungstheorien sagt vieles über menschlichen Grundbedürfnissen aus

Die Glaube an Verschwörungstheorien sagt vieles über menschlichen Grundbedürfnissen aus

Es stellt sich heraus, dass Verschwörungstheorien uns etwas über den Zustand unserer Gesellschaft erzählen können. Und wenn man erfahren will, wie man die Probleme lösen kann, mit denen man sich  unsere Gesellschaft konfrontiert, sollte man auch einen Blick auf diese Verschwörungstheorien werfen. Denn diese deuten auf die Tatsache, dass einige Grundbedürfnissen der Menschen, wie Sicherheit und Vertrauen in den Mitmenschen und in den Institutionen des Staates, nicht erfüllt werden.

COVID-19 und Verschwörungstheorien

Die COVID-19 Pandemie hat die Welt überrumpelt. Angesichts wachsender Sorgen über eine ungewisse Zukunft konnten Verschwörungstheorien fruchtbaren Boden und großen Zuspruch unter Menschen aus allen Ländern finden. Und die Glaube an diesen Theorien hat reale Auswirkungen: Weil Menschen glauben, dass die 5G-Technologie die Corona-Pandemie ausgelöst habe, wurden in Großbritannien dutzende Telefonmasten beschädigt und viele Inginieure angegriffen. Zahlreiche Gruppen von Menschen behaupten, dass das COVID-19 Virus eine biologische Waffe sei, oder dass es nichtmal wirklich existieren würde.

Verschwörungstheorien – keine neuen Erscheinungen

Doch dies sei kein neues Phänomen in unserer Gesellschaft, so HistorikerInnen, SoziologInnen und PsychologInnen, die dieses Geschehen mit großer Begeisterung beobachten. Verschwörungstheorien gibt es um fast jedes Schlüsselereignis in der Geschichte herum. So mögen viele Menschen glauben, dass hinter dem Mord von John F. Kennedy die CIA steht, oder dass der Tod von Lady Diana vorgeplannt war. Jeder von uns möge zumindest mit ein Paar von den meistverbreiteten Verschwörungstheorien schon vertraut sein, so wie zum Beispiel die Behauptung, dass die Mondlandung ein Fake war, oder dass die Erde flach sei. Die meisten Menschen finden diese Theorien amüsierend, manchmal geradezu absurd.

Doch es stellt sich nun die Frage, wieso sich diese alternativen Geschichten trotzdem durchgesetzt haben. Es zeigt sich, dass es einige Muster gibt, die entscheiden, welche Theorien an Boden gewinnen, während andere in den dunkleren Ecken des Internets „eingesperrt“ bleiben. Die neuesten Erkenntnissen zeigen, das eine Verschwörungstheorie gewisse Bedingungen erfüllen muss, um “erfolgreich” zu sein. Nun, was macht manche Verschwörungstheorien mehr anziehend als andere? Und können die meistverbreiteten Verschwörungstheorien uns etwas über die Probleme lehren, mit denen wir uns konfrontieren, sowie wir diese lösen können?

Sündenblöcken und kollektive Ängste

Eine gelungene Verschwörungstheorie erfüllt zwei wichtigen Bedingungen: Sie erzielt die richtigen Sündenblöcken und steht in einem engen Zusammenhang mit Themen, die wichtig für die Menschen sind (Hinweis: meistens geht es um die eigene Sicherheit, sowie die Sicherheit der Menschen, die einem nahe sind). Erfolgreiche Verschwörungstheorien machen sich generell die größten gesellschaftlichen Schwachstellen zu Nutze. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Ängste und Besessenheiten – generell sind diese dann das Hauptthema von Verschwörungstheorien.

Antisemitistische Theorien – wie beispielweise die Behauptung, dass Juden sehr einflussreich sind und sich in geheimen, bösartigen Komplotten engagieren – sind aus historischer Sicht in Zeiten großer gesellschaftlichen Unruhe hervorgetreten, wie beispielweise Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit hoch war. Der Grund dafür ist, dass dies den Menschen erlaubt, einer gewissen Gruppe die Schuld für ein gesellschaftliches Problem, das eigentlich Resultat einer Reihe von komplexen gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen ist, zu geben. Einfacher ausgedrückt heißt das, dass es kognitiv leichter ist, die Schuld für solche ungünstige Ereignisse auf eine gewisse Gruppe von Menschen zu schieben, als sich mit den genaueren wirtschaftlichen und sozialen Mechanismen hinter einem Ereignis zu beschäftigen.

Menschen glauben an Verschwörungstheorien, weil die Realität sehr oft viel zu komplex ist

Weitere Studien von PsychologInnen und SoziologInnen bestätigen, dass Verschwörungstheorien jene Menschen ansprechen, die sich stärker von der Gesellschaft entfremdet fühlen, und die sich eher am Rande der Gesellschaft befinden, die mit ihrer Lebenslage unzufrieden sind, und die das Gefühl haben, kaum Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus auch die subjektive Weltanschauung: ist diese stark von religiösen Glaubensvorstellungen geprägt, ist man eher anfällig, an Verschwörungstheorien zu glauben.

Offenbar spielen Verschwörungstheorien eine große Rolle in unserer Gesellschaft. Sie sind einfach zu glauben und sie erfüllen unseres eingeborenen Bedürfnis, Klarheit und Kohärenz über das Leben zu erlangen. Doch wie die aktuelle Lage es zeigt, haben Verschwörungstheorien signifikanten, meistens negativen Auswirkungen in der realen Welt. Natürlich stellt sich nun die Frage: Was können wir dagegen tun? Wie kann man Menschen, die Verschwörungstheorien für wahrhaft halten, dazu bringen, von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen überzeugt zu sein, anstatt „alternative facts“ für wahr zu halten?

Das wachsende Mistrauen macht Verschwörungstheorien attraktiv

Ein großer Teil des Problems ist, dass das Vertrauen der Menschen in wichtigen Institutionen des Staates schrittweise gesunken ist. Experten meinen, dass um das zu beheben wichtig sei, die Legitimität unserer Demokratien zu befestigen, in dem wir unsere Institutionen reformieren und noch mehr in die Wissenschaft investieren. Doch ob das erfolgreich wird, und ob das das Problem der Verschwörungstheorien lösen würde, wissen sie bedauerlicherweise nichtmal. Andererseits sind sie der Meinung, dass es mehr wissenschaftlichen Studien braucht, um überhaupt zu verstehen, was Verschwörungstheorien so attraktiv macht.

Tauchen diese auf natürlicher Art und Weise aus? Sind sie ein Problem, das nie ganz verschwinden wird und mit dem wir uns für immer konfrontieren werden? Wie sollte man am besten mit ihnen umgehen? Und wie sollte man die Sache angehen, wenn man eine Person überzeugen will, dass COVID-19 höchstwahrscheinlich doch keine biologische Waffe ist, die die Pharmaindustrie entwickelt hat, um von einem Impfstoff Geld zu verdienen?

Trotz jahrzentenlanger Forschung dieses faszinierenden Feldes, bleiben diese Fragen weiterhin unbeantwortet.

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